P-TRAIN
Mittwoch, 3. September, 2003, 20.00 Uhr


HANDGEMACHTER POWERSOUND
Ein mitreissender Zug braust seit ein paar Jahren über Strassen und Plätze, durch Bars, Parties und Veranstaltungen. Ungebremst, ohne Strom und dennoch unter Hochspannung:
Im Percussion-Train fand sich ein wilder Trommlerhaufen zusammen, der mit unwiderstehlichem Groove und charmanter Optik jeden Passanten in seinen Bann zog und zieht und unweigerlich zum Zuhörer macht. Jeder noch so unscheinbare Platz wird so umgehend zur Quelle von Hörgenuss und Tanzeslust. Die mit dicken Stöcken gespielten Doundoums legen weiche melodische Basslinien, die mit Glocken und Begleitdjémbés einen kontrastreichen Rhythmusteppich weben, auf dem die Solisten mit federnden Knien, blitzenden Blicken und Trommelexplosionen die Umstehenden zum Tanz auffordern. Oft ist dieser bereits voll im Gang, und so werden einzelne Tanzende angepirscht und zu ungeahnter Höchstform getrieben. Zu Hunderten sammeln sich die Leute neugierig um die trommelnde Horde, sich mehr und mehr den hypnotischen Klängen ergebend: Rundum Lächeln und schwingende Hüften. Und niemand zieht die Notbremse.
Nicht nur in der Schweiz verzaubern solche Rhythmen: Auch durch Deutschland, Holland, Belgien, Spanien und Italien dampft der perkussive Zug der fünf Könner auf der „Djémbé de la djungla asfaltata di Zurigo“, die sich hemmungslos in diesen Musikstil Westafrikas verliebt haben, und dem sie mit eigenen musikalischen Ideen eine originale Prägung verleihen. In Italien, wo sie eine Live-CD eingespielt haben, erwartet sie jedes Jahr eine begeisterte Fan- und Tanzgemeinde bei ihren Sommernachtsfêten.
P-TRAIN begann als Trio mit Roman Bruderer, Chris Jaeger und Christian Gerber. 1999 stiess Mirkò Solbach und 2000 Pascal Schmid dazu. Mittlerweile weisen sie eine beachtliche Konzertbilanz auf, und auf den Parties der Betuchten, die alles schon mal hatten, sind sie eine gefragte Attraktion. Selbst die Meister erweisen ihnen die Referenz: Wiederholt trat P-TRAIN mit afrikanischen Musikern (Moussa Hema, Issa Dakuyo, Mohammed Sibo Bangoura) und Tänzern (Omari Mwarape, Caro Diallo) auf - eine Geste des Respekts und der Anerkennung gegenüber den Schweizern.
Die raffinierten Arrangements und die breitgefächerte, vielschichtige Rhythmus-Skala sorgen auch während einem mehrstündigen Konzert fortlaufend für Überraschungen.
In z.T. mehrwöchigen Workshops in Afrika erweitert der P-TRAIN ständig sein Wissen und Können, und so sind die fünf Musiker heute fraglos kompetente Vertreter der Westafrikanischen Perkussion.

mit:
Christian Gerber
Roman Bruderer
Pascal Schmid
Mirkò Solbach
Chris Jaeger

Christian Gerber
„Gerbi Le Beau“ entdeckte mit 16 Jahren das Djémbé und erkundet es zuerst auf eigene Faust. 1998 trifft er Roman, der ihm die Gelegenheit bietet, mit ihm Tanzkurse zu begleiten. In Workshops, u.a. beim Meistertrommler Taffa Cisse aus Senegal und sechs Wochen Knochenarbeit bei Mohammed Bangoura in Guinea sorgt er dafür, dass aus dem Rastafari kein Lasslafari wird.

Roman Bruderer
„Canonball“ erhält in der Schule ersten Schlagzeug- und Djémbéunterricht. Nach Congalehrer, ersten Bands und Jamsessions geht er durch die harte Schule der Strassenmusik, vorab in Nordeuropa und Italien. Es folgen CD-Aufnahmen und zahlreiche Auftritte mit Duos und Projektbands verschiedenster Stilrichtungen. Dank der Zusammenarbeit mit afrikanischen Musikern und Tänzern sowie Unterricht bei Perkussionisten in der Schweiz und in Afrika entwickelt er sich zunehmend zum fundierten Kenner der westafrikanischen Musikkultur und charismatischen Trommler von Format. Mit Afro-Tanzkursbegleitung, Auftritten mit oder als DJ und als Djémbélehrer hat er noch weitere Eisen im Feuer. Doch mit Vorliebe lässt Roman bei P-Train mit seinem cool-verzückten Spiel die Puppen tanzen.

Pascal Schmid
„Il Meccanico“ träumt schon als Kind von allen möglichen Berufen wie Musiker, Sportler oder Künstler. Trommeln auf Djémbés interessiert ihn je länger je mehr, also besorgt er sich eins und patscht ab und zu auf dem Ziegenfell herum. Um seine Familiengeschichte etwas auszuleuchten und evtl. unbekannte Verwandte zu finden begibt er sich 1999 nach Westafrika, wo er schliesslich nach erfolglosen Nachforschungen in Conakry (Guinea) hängen bleibt. Hier infiziert er sich schicksalhaft mit dem Trommelfieber, welches nach dem neusten Stand der Wissenschaft noch immer als unheilbar gilt. Pascal ist bei P-Train als Medizinmann dafür zuständig, liebevoll aber extensiv bearbeiteten Djémbés wieder in die Felle zu helfen.

Mirkò Solbach
„Il Serioso“ bearbeitet mit 5 sein erstes Schlagzeug. Da ihn zudem Gitarre, Gesang und Bass ebenso wie Sport faszinieren, resultiert ein ewiges Hin und Her zwischen Musik, Sport und Schule / Studium. Der Applaus für die Schülerbands wird bald übertroffen vom Erfolg im Handball, der allerdings seinen Tribut in Form jahrelanger musikalischer Verkümmerung fordert. Erst Ende 20 wagt er sich ans Djémbé und nach ersten Lektionen bei Roman ergibt sich die Gelegenheit, als Basstrommler bei P-Train einzusteigen. Statt sich die Hände am Djémbé platt zu schlagen holt er sich fortan die Blasen am Doundoumstick und ist mit sicherem Timing für die tieferen Töne der Band zuständig. Da die Begeisterung für diese fundamentale Funktion weiterhin zunimmt, scheint er damit endlich den richtigen Platz gefunden zu haben.

Chris Jaeger
„Fusilli“ spielt als 11-Jähriger erstmals in einer Jazzband. Nach dem ersten Sporenwetzen in Strassenbands und im Zirkus will er es genauer wissen und ist seit 1992 Schüler von Pierre Favre. Darauf folgen Konzerte mit diversen Jazzbands. Nach einem Jahr Studienaufenthalt in Senegal gründet er 1997 das „Kerouac-Quartett“, besucht die Musikhochschule Luzern und lässt als Trommler in Afrotanzkursen sowie als Schlagzeuglehrer auch sonst nichts anbrennen. Der drahtige Sprenzel braucht den Jungle-Roller Canonball, dem er mit knallhartem Anschlag heisse Duelle liefert, durchaus nicht zu fürchten. „Ich brauche Musik und P-Train wie meine tägliche Dosis Kaffee.“

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