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PHIL DUKE
Mittwoch, 28. Mai, 2003, 20.00 Uhr
Phil Duke schafft den Hattrick!
Da steht er nun und singt seine Lieder, klampft wacklige Akkorde aus
einer blauen Stromgitarre heraus und bläst zwischendurch in die Mundharmonika,
die im
Bob-Dylan-Gestell vor seiner Visage klemmt. Ein beruhigender Anblick,
der einen die Widrigkeiten des modernen Musikgeschäfts für ein
paar Stunden vergessen
und Gedanken an halblegale MP3-Tauschbörsen, hüftschwingende
Hitparadenfüller und ranzige House-Tracks schwupps aus den gebeutelten
Gehirnen entweichen lässt. Schneidiges Liedgut, das sich in jene
Traditionskette eingliedert, die Leute wie Johnny
Cash, Kris Kristofferson, Willie Nelson, Grant Hart, Will Oldham oder
Neil Young in der goldenen Vergangenheit geschmiedet haben.
Und dann steht er eben auf der kleinen Bühne, der Mann, der schneller
trinkt als sein Schatten. Wir nennen ihn Duke, Phil Duke. Deshalb heisst
sein Musikstil auch Philbilly Music, oder schlicht und ergreifend Freistil-Country.
Zu spärlicher Instrumentalbegleitung trägt der klandestine Alleinunterhalter
seine Songs vor - mit gezielter Nachlässigkeit und mit Mut zur grossen
Geste.
Zwischen den gesungenen Zeilen muss der Herr Duke dann immer einen Schluck
Bier trinken und die Welt gerade rücken, indem er von den Dingen
erzählt, die ihm wichtig sind: die mächtigen Mythen der Rockmusik,
draht- und ratlose Kommunikation, Wrestling, bedenkliche Werkstoffe wie
Fleisch, Asbest und Bakelit, böse Menschen, Fernsehserien ("Ein
Colt für alle Fälle", "Knight Rider"),
"das Internet" – und natürlich immer wieder über
alkoholische Freizeitgetränke, was ihm denn auch den schönen
Ehrentitel "The Booze Authority" eingebracht hat.
Fachpresse und Publikum reagieren darauf gerne mit Freude und holen gleich
die grossen Vergleiche hervor. So wurde Phil Duke in der Vergangenheit
auch schon als "Peach Weber der Stromgitarre", als
"König des Cholesterins" oder gar als "singende
Wohnwand" bezeichnet. Da lässt er sich natürlich nicht
lange bitten und wackelt fortan der IKEA-Ideallinie entlang über
die Bühnenbretter.
Nun, das Alleinunterhalter-Business ist eine ziemlich harte Angelegenheit,
die in ihrer äussersten Ausdehnung schnell einmal zu sozialer Verkümmerung
führt. Kein Problem für Phil Duke, denn hauptberuflich spielt
er bei der Zürcher Band Fingerpoke Rhythmusgitarre. Mit diesem Quartett
tourt er seit letztem Oktober durch Deutschland, Österreich und die
Schweiz, manchmal als Einheizer, meist als Aufräumer, und mit Fingerpoke
hat er im Herbst 2000 auch den Grundstein zu einer beeindruckenden Bäckeranlage-Karriere
gelegt, die ihn in den darauffolgenden Jahren erneut ins aussersihler
Wohlfühl-Areal geführt hat, und die er nun mit seinem dritten
Solo-Konzert in drei Jahren zum Hattrick ausbaut.
Im Sommer 2000 erschien der Duke-Song "Stuntman" auf der Kompilation
"Land of the Kantrie Giants" (XXS/RecRec), und seither bastelt
der wehmütige Hawaii-Fan irgendwo in Zürich-Hottingen an seiner
grossen Durchbruch-Platte. Auf die Bäckeranlage bringt
er deshalb diverse neue Lieder mit, die dann sozusagen zur Welturaufführung
gebracht werden. Oder wie die "Grill-Gazette" in ihrer aktuellen
Ausgabe schreibt: "Bier, Bratwürste und ein Bob-Dylan-Gestell
- das Comeback der Saison."
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